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BZ (15.07.2005): Ein neues Gefühl für Freiheit


LAND UND LEUTE: Nicole Meythaler war ein Jahr als Stipendiatin des Bundestags in den USA Badische Zeitung vom Freitag, 15. Juli 2005

FRIESENHEIM-OBERSCHOPFHEIM. Das Jahr in den USA – hat es Nicole Meythaler verändert? Der erste Eindruck: Nein! Die inzwischen 18-Jährige wirkt so selbstbewusst und so offen für das Gespräch wie vor einem Jahr, beim letzten Kontakt vor dem Sprung über den großen Teich. Das war im August des vergangenen Jahres und die Oberschopfheimerin war noch in nervöser Vorfreude auf das Stipendiat in Pennsylvania, das ihr Parlamentarische Patenschaftsprogramm (PPP) ermöglichte. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Alexander Bonde hatte die Schülerin am Technischen Gymnasium in Lahr aus einer ganzen Reihe von Bewerbungen ausgesucht und für den Aufenthalt die „Patenschaft“ übernommen.

Seit zehn Tagen ist Nicole Meythaler wieder zu Hause – und eben um tausend Erfahrungen und Erlebnisse reicher. Die Begeisterung für ein Land und die Menschen bestimmen, wen wundert’s, ihre Erzählungen. Da werden auch die weniger schönen Erfahrungen zu Nichtigkeiten. Wie etwa die Probleme mit der ausgewählten Gastfamilie in Martinsburg, die letztlich im Januar mit zum Umzug ins benachbarte Roaring Spring und neuen Gasteltern enden. „In diesem kleinen Kaff habe ich mich dann aber pudelwohl gefühlt. Meine Gasteltern hier waren toll und mit der Gastschwester kam ich gut klar. Der Gastbruder war verheiratet und aus dem Haus,“ erzählt Nicole Meythaler begeistert. Klar, dass das Thema Schule ein wesesentliches im vergangen Jahr war. Da bei Antritt der Reise schon klar war, dass sie die zwölfte Klasse auf dem Gymnasium wiederholen würde, konzentrierte sich die Oberschopfheimerin ganz auf das Sprachstudium. In Spanisch und Französisch wollte sie – neben Englisch natürlich – Fortschritte machen. Was allerdings nicht ganz so klappte. „Unsere Französischlehrerin hatte gerade mal vier Wochen in Frankreich verbracht. Da legte natürlich weniger Wert auf das Sprechen der Sprache“. Und welche Klamotten trägt man an der amerikanischen Highschool? „Entweder die kommen von Kopf bis Fuß total aufgestylt zum Unterricht oder die tragen Pyjamas. Da gibt es schon die irrsten Typen. Aber natürlich gibt’s auch normal Gekleidete, wie mich.“

Zu den spannenden Erlebnissen zählte auch der Präsidentwahlkampf im November. „Da habe ich die Amerikaner als politisch eher uninteressiert kennen gelernt. Das war allerdings noch zu einer Zeit, als ich bei meiner ersten Gastfamilie lebte. Das familiäre Umfeld war konservativ geprägt. Die hatten eigentlich gar keine eigene Meinung“, erinnert sich Nicole Meythaler.
Von Ressentiments gegenüber Deutschen habe sie nichts gespürt. Ganz im Gegenteil. „Richtig unbeliebt sind eigentlich nur die Franzosen . Und irgendwie fühlen sich die Menschen in Pennsylvania soundso wie Deutsche. Fast in jeder Familie habe ich gehört, dass Vorfahren aus Deutschland oder Österreich kommen“.

Und was bleibt nach dem bisher „ereignisreichsten Jahr im meinem Leben“? Nicole Meythaler muss nicht lange überlegen. „Viele neue Freunde, eine Gastfamilie, in der es mir leicht fiel, Mom und Dad zu sagen, und ein neues Gefühl von Freiheit. Und das ist nicht von Amerika geprägt. Die Menschen dort sind stolz auf ihre Freiheit, aber sie merken nicht, wie sie ihre Freiheit aufgeben, um diese zu schützen mit vielen Kontrollen und vielen Verboten. Da mag ich’s lieber so, wie wir’s zu Hause haben“. Klaus Fischer



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