Suchen & Finden

erweiterte Suche  
Home /Aktuelles
Aufgaben & Tätigkeiten
Landesgruppe
Presse
Archiv
2010
2009
2008
2007
2006
2005
2004
2003
2002
TV & Radio
Interviews & Portraits
Kurioses
Themen
Einblicke Bundestag
Wahlkreis
Büros
zur Person
Bildergalerie
Termine
Links
Impressum
 
Englisch
Chinesisch
Russisch
Japanisch
 
Sie sind hier: Presse / Archiv / 2005

Presseschau (29.09.2005): Generationenfrage in der grünen Bundestagsfraktion


verschiedene Berichte:

Die Welt - Aufstand der jungen Grünen gegen die Platzhirsche 
Berliner Zeitung - Zu wenig Platz für die grünen Indianer 
AFP - Junge grüne Abgeordnete fühlen sich benachteiligt
Frankfurter Rundschau - Jüngere Grüne sind verärgert, Generationswechsel bleibt aus


Die Welt, 29.09.2005: Aufstand der jungen Grünen gegen die Platzhirsche

Generationenkonflikt nach Wahl der neuen Fraktionsspitze - Jüngere Abgeordnete fühlen sich nicht angemessen berücksichtigt

von Carsten Fiedler Berlin

Bei den Grünen ist nach der Wahl der neuen Fraktionsspitze ein offener Generationenkonflikt ausgebrochen. Die Gruppe der jungen Abgeordneten fühlt sich von den älteren "Platzhirschen" übergangen. Haushaltsexperte Alexander Bonde (30) sagte der WELT, es gebe bisher keine angemessene Berücksichtigung der Jungen. Bei der noch ausstehenden Wahl der Vizefraktionschefs dürfe es nicht zu einem "vollständigen Durchmarsch der Gründergeneration" kommen. Der Ärger der Jungen entzündet sich weniger an der neuen Doppelspitze Renate Künast (49) und Fritz Kuhn (50). "Das sind zwei starke Vorsitzende, die ihren Job gut machen werden", sagte Bonde, der dem Netzwerk "Realismus und Substanz" junger Grünen-Politiker angehört. Offen zutage trat der Konflikt, als der bisherige Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger (34), in einer Kampfabstimmung um den Posten des Fraktionsgeschäftsführers dem Amtsinhaber Volker Beck (44) mit 17 zu 34 Stimmen unterlag. Allerdings sorgte auch die Abfuhr für die bisherige Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt (39), die als einzige aus der Führungsriege für einen Generationswechsel stand, für Unmut beim Grünen-Nachwuchs. Göring-Eckardt hatte die Stichwahl gegen Kuhn um den zweiten Vorstandsposten mit zehn zu 37 Stimmen bei vier Enthaltungen klar verloren. Es sei jetzt Aufgabe des neuen Fraktionsvorstandes, die Jungen vernünftig einzubinden, sagte Berninger der WELT. Die Grünen der "Altersgruppe 50 plus" schätzten ihre Kräfte falsch ein, "wenn sie die Themen der jungen Generation selbst schultern wollen. Das hat nicht einmal Joschka Fischer geschafft." Die Abgeordnete Anna Lührmann (22) forderte einen Vizeposten für die Jungen: "Es müssen auch Fraktionsmitglieder, die nicht der Gründergeneration angehören, in herausgehobene Positionen." Insgesamt neun der 51  Grünen-Abgeordneten gehören dem Jahrgang 1970 und jünger an. Die Wahl der Vizefraktionschefs findet voraussichtlich erst nach der Konstituierung des Bundestages statt. Einen der Posten strebt die bisherige Fraktionschefin Krista Sager (52) an.

Linke contra Junge

Bereits beim Treffen des Realo-Flügels am Montag in der Parlamentarischen Gesellschaft war der Streit zwischen Jungen und Gründergeneration an der Frage entbrannt, ob Berninger gegen den Parteilinken Beck kandidieren solle. Die Jungen klagen, ihre Interessen seien um eines "Burgfriedens" mit den Linken willen nicht berücksichtigt worden. Obwohl der linke Flügel in der Fraktion nur rund ein Drittel der Abgeordneten stelle, hätte er mit Künast und Beck zwei der drei einflußreichsten Posten eingeheimst. Künast hatte vor ihrer Wahl betont, sie sei strömungsunabhängig und keinem Flügel zuzuordnen. Viele Realos rechnen sie jedoch immer noch dem linken Lager zu. Für Unverständnis sorgte beim Grünen-Nachwuchs auch ein Vorstoß von Parteichef Reinhard Bütikofer, die Jungen über das Amt des Bundestagsvizepräsidenten einzubinden. "Dieser Vorschlag ist abenteuerlich, das wäre die denkbar schlechteste Stelle", sagte Berninger. Die unterlegene Katrin Göring-Eckardt ließ bereits ausrichten, sie stehe für dieses Amt nicht zur Verfügung. Auch für einen Vizeposten will sie nicht kandidieren. Daß mit ihrer Niederlage nicht nur die Jungen, sondern auch die Ostdeutschen in der Fraktionsspitze keine prominente Stimme mehr haben, hält Berninger für ein zusätzliches Problem. Immerhin hätten die Grünen ihr Ergebnis im Osten auf 5,4 Prozent gesteigert; erstmals seien Abgeordnete aus allen neuen Ländern in der Fraktion vertreten. Die neue Chefin Künast kann sich jedenfalls voll und ganz um die Eindämmung des Generationenstreits kümmern. Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nahm ihren Rücktritt als Verbraucherministerin an und beauftragte Umweltminister Jürgen Trittin mit der Wahrnehmung ihrer Geschäfte. Am Dienstag soll Bundespräsident Horst Köhler ihr die Entlassungsurkunde überreichen. An der gestrigen Kabinettssitzung nahm Künast bereits nicht mehr teil.


Berliner Zeitung, 29.09.2005: Zu wenig Platz für die grünen Indianer

von Jörg Michel

In der Ökopartei bahnt sich ein Generationenkonflikt an

BERLIN, 28. September. Die Losung von Joschka Fischer war klar: Den Neuanfang der Grünen, mahnte unlängst der scheidende Parteipatriarch, den müssten die Jüngeren anpacken. "Vor allem die unter 40-Jährigen". Nimmt man diese Worte zum Maßstab, dann ist der grüne Aufbruch noch nicht gelungen. Denn der viel beschworene Generationswechsel bei den Grünen ist bislang ausgeblieben. In der neuen Fraktionsspitze sind jüngere Kräfte bislang nicht vertreten. Unter den jungen Abgeordneten hat dies am Tag eins nach der personellen Neuaufstellung eine emotionale Debatte ausgelöst. "Die Grünen müssen aufpassen, dass es in der Partei nicht zu einem neuen Generationenkonflikt kommt", sagte der Verbraucherpolitiker Matthias Berninger der Berliner Zeitung. Bislang sei es eine gute Tradition gewesen, jüngere Kräfte einzubinden. "Mit dieser Tradition wurde erstmals gebrochen". Auch die Familienexpertin Ekin Deligöz bemängelte, dass der grüne Nachwuchs bis dato nicht zum Zug gekommen ist. "Es ist dringend nötig, den Jüngeren mehr Chancen zu geben." Am Dienstag bei den Wahlen zum neuen Fraktionsvorstand waren alle jüngeren Kandidaten gescheitert. Die bisherige Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt, die mit ihren 39 Jahren intern noch zu den Nachwuchskräften gezählt wird, scheiterte an Renate Künast (49) und Fritz Kuhn (50). Berninger (34) selbst unterlag im Kampf um das Amt des ersten parlamentarischen Geschäftsführers. Auch beim Gerangel um die stellvertretenden Fraktionsposten, über die in ein paar Wochen entschieden wird, sieht es schlecht aus. Die vielen Platzhirsche, die in Regierungsverantwortung bislang an herausgehobener Stellung tätig waren, lassen dem Nachwuchs wenig Raum. Auch die bisherige Co-Fraktionschefin Krista Sager hat ihren Anspruch angemeldet, der eine oder andere Staatssekretär oder alt gediente Fraktionsvize hegt Ambitionen.

Ziel: angemessene Mischung der Generationen

"Wir haben eine Fraktion mit vielen Häuptlingen. Die Indianer haben es da sehr schwer", sagte Deligöz. Die 34-Jährige befürchtet, dass ihre Generation "zur Seite gedrängt wird". Der Haushaltspolitiker Alexander Bonde (30) bekannte sich zwar zur neuen Spitze. Dabei handle es sich um "ein gutes Team". Doch auch er bedauert, "dass es bislang kein Integrationssignal an die Jüngeren gegeben hat". Dabei gehe es nicht um die Posten an sich. "Wir müssen aber schon das Gefühl haben, eingebunden zu sein." An diesem Gefühl mangelt es den jüngeren Abgeordneten offenbar. Am Dienstagabend nach der Wahlschlappe hatten sie sich zusammengesetzt und beschlossen, die Sache nicht einfach auf sich beruhen zu lassen. Die Diskussion um die Wahlen werde in der Partei- und Fraktionsspitze zu einem Denkanstoß führen, hofft Berninger. Für Kai Gehring, einen 27-jährigen Parlamentsneuling aus Essen, ist dabei auch der Nachwuchs selbst am Zug. "Klar ist, wir brauchen eine angemessene Mischung der Generationen", sagte er. Dies sei in der derzeitigen Übergangsphase der Grünen von der Regierung in die Opposition besonders schwer. "Wenn wir Jüngere dabei aber zum Vorreiter der inhaltlichen Erneuerung werden, dann kommt der Rest von selbst."


Meldung AFD, 29.09.2005: Grüne müssen Machtpositionen in den Ländern zurückerobern - Junge grüne Abgeordnete fühlen sich benachteiligt

Berlin, 29. September (AFP) - Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat für seine Partei die Rückgewinnung von Regierungsbeteiligungen in den Bundesländern als zentrales Ziel der kommenden Jahre ausgegeben. «Wir müssen große Anstrengungen auf die Rückeroberung von Machtpositionen in den Ländern verwenden», sagte Trittin der in Berlin erscheinenden Tageszeitung «Die Welt» (Donnerstagausgabe). Dabei seien die Grünen durchaus offen für schwarz-grüne Bündnisse: «Niemand in der Partei- und Fraktionsspitze schließt schwarz-grüne Koalitionen grundsätzlich aus», sagte er. Im Hinblick auf die Landtagswahlen in Baden-Württemberg im Frühjahr 2006 sagte Trittin jedoch, jeder in der Grünen-Führung wisse, «wer für Schwarz-Grün Wahlkampf macht, wird Schwarz-Gelb kriegen». Gerade gegen eine neoliberal gewordene CDU würden die Grünen einen «scharfen Konfrontationskurs» fahren. Strategie müsse sein, für zentrale Punkte ihrer Politik wie etwa die Energiewende und Wege weg vom Öl Gestaltungsmehrheiten zu bekommen. Zu seiner persönlichen Zukunft sagte Trittin, er sei «gewählter Abgeordneter» und werde in der Grünen-Bundestagsfraktion Politik machen.

Generationenkonflikt

Der grüne Verbraucherstaatssekretär Matthias Berninger warnte seine Partei vor einer Benachteiligung jüngerer Politiker. «Die Grünen müssen aufpassen, dass es in der Partei nicht zu einem neuen Generationenkonflikt kommt», sagte Berninger der Berliner Zeitung (Donnerstagausgabe). Bislang sei es eine gute Tradition gewesen, in der Fraktionsspitze jüngere Kräfte einzubinden. «Mit dieser Tradition wurde erstmals gebrochen.» Bei den Wahlen zum neuen Fraktionsvorstand waren alle jüngeren Kandidaten gescheitert. Der 34-jährige Berninger verlor die Kampfabstimmung um den Posten des Fraktionsgeschäftsführers gegen Amtsinhaber Volker Beck mit 17 zu 34 Stimmen. Der 30-jährige Haushaltsexperte Alexander Bonde sagte der «Welt», es gebe in der Führung der Fraktion bisher keine angemessene Berücksichtigung der jungen Abgeordneten. Bei der noch ausstehenden Wahl der Vize-Fraktionschefs dürfe es keinen «vollständigen Durchmarsch der Gründergeneration» geben.


Frankfurter Rundschau 29.09.2005 : Jüngere Grüne sind verärgert Generationswechsel bleibt aus 

Mit der Wahl der grünen Fraktionsspitze tritt nicht nur Joschka Fischer ab. Auch andere prominente Grüne rücken jetzt in die hinteren Reihen der Politik. Nur Umweltminister Jürgen Trittin, einer der Verlierer, bekommt kurzfristig noch einmal überraschende Machtfülle. Nach dem Wechsel von Verbraucherschutzministerin Renate Künast an die grüne Fraktionsspitze hat der Bundeskanzler ihm am Mittwoch zusätzlich die Künast'schen Ministeraufgaben übertragen - bis zur Wahl einer neuen Regierung . Während Bild am Mittwoch triumphierte "Tritt für Trittin!" und die taz titelte "Grüne schalten Trittin ab", nahm der grüne Kurzzeit-Doppelminister seine gescheiterte Bewerbung um den Fraktionsvorsitz betont gelassen und zeigte sich "sehr zufrieden" über die Wahl des neuen Führungsduos Künast/Kuhn. Ob der 51-Jährige sich nach siebenjähriger Ministerzeit nun als Sprecher einer der Fraktionsarbeitskreise und damit als grüner Fraktions-Vize bewirbt oder ob er womöglich als einfacher Abgeordneter ein zusätzliches Tätigkeitsfeld außerhalb des Parlaments sucht, ist offen. Die bisherige Fraktionschefin Krista Sager, die ihre Kandidatur um das Spitzenamt zurück gezogen hatte, will hingegen stellvertretende Fraktionschefin werden.

Burgfrieden lieber ist als die Einbindung der Jüngeren

Die politische Zukunft ihrer Co-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt ist offen. Die 39-Jährige, die bei der Wahl der Fraktionsspitze nur zehn von 51 Stimmen bekommen hatte, interpretiert das als eindeutige Abfuhr. Sie strebe daher weder einen Posten als Fraktionsvize noch als Bundestagsvizepräsidentin an, hieß es aus ihrem Umfeld. Göring-Eckardt war als einzige Ostdeutsche und als Protagonistin eines grünen Generationswechsels angetreten und gescheitert. Dass mit Kuhn und Künast nun zwei aus der Gründergeneration der Partei gewählt wurden, sorgt im Kreis jüngerer Grüner für heftigen Unmut - zumal auch der 34-jährige Staatssekretär im Verbraucherschutz-Ministerium, Matthias Berninger, als Anwärter für das Amt des Parlamentsgeschäftsführers gegen den Amtsinhaber Volker Beck durchgefallen war. In der Vergangenheit, so kritisierte Berninger am Mittwoch, sei es immer gelungen, jüngere Abgeordnete einzubinden. So sei bisher ein Generationskonflikt vermieden worden. Nun aber hätten die Grünen das Signal gesetzt "dass ihnen der Burgfrieden lieber ist als die Einbindung der Jüngeren". Vera Gaserow

 RSS-Feed abonnieren