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Badische Zeitung (11.05.2009): Junge Botschafter in USA


Stipendiaten entstehen kaum Kosten, dafür wird aber von ihnen einiges erwartet

Wirtschaftskrise hin oder her - für viele Jugendliche ist es noch immer ein Traum in die USA zu reisen. Das gemeinsame Patenschaftsprogramm des Bundestags und des US-Kongresses erfüllt jedes Jahr solche Träume. Schüler und junge Berufstätige können sich um ein Stipendium bewerben und dann ein Jahr in den USA verbringen. Die Bedingung ist aber, dass die Stipendiaten als junge Botschafter ihres Landes auftreten und zu einer besseren Verständigung zwischen beiden Ländern beitragen.

„Schon in der 5. Klasse wollte ich ins Austand gehen", sagt Nora Heising. Inzwischen ist die Schülerin in der 10. Klasse des Gymnasiums Kenzingen. Die 11. Stufe wird Nora auf einer High School in den USA verbringen. Auch Sabrina Schlüter, die derzeit ihre Ausbildung bei der Firma The North Face abschließt, ist innerhalb der Gruppe der jungen Berufstätigen als eine der Stipendiaten ausgewählt worden. Beide haben ein Bewerbungsverfahren mit mehreren Runden überstanden. Entscheidend war am Ende ein Gespräch mit Alexander Bonde, dem Bundestagsabgeordneten der Grünen und Paten der Stipendiaten. „Bei den beiden hatte ich das beste Gefühl", sagt Bonde. Ausschlaggebend war für Bonde die Frage: „Wer der Jugendlichen will das richtig und kann auch die Botschafterrolle erfüllen"?

Normalerweise kostet ein vergleichbarer Aufenthalt um die 10000 Euro. Den Stipendiaten entstehen zwar für Flug, Versicherung, Unterbringung in der Gastfamilie und Besuch der High School keine Kosten. Im Gegenzug wird aber von den Stipendiaten erwartet, dass sie als junge Botschafter Deutschlands auftreten. Auf diese Rolle werden sie auf Seminaren eigens vorbereitet. Dabei werden kulturelle Unterschiede, die Politik und die Geschichte der beiden Länder besprochen und auch manche Verhaltensregeln: „Wir haben gelernt, dass man nie die Zimmertür schließen soll", sagt Sabrina. Und Nora ist darauf vorbereitet, dass viele Fragen kommen werden. „Ich hoffe, dass ich die Fragen beantworten und einen guten Eindruck hinterlassen kann."
Noras Seminar beinhaltete auch ein „Spiel zur Einsamkeit", bei dem alle Teilnehmer für eine halbe Stunde ohne Handy und ohne Kontakt zu einer anderen Person auskommen mussten. „Die USA sind ein großes Land, wo es teilweise weit und breit nur Maisfelder gibt", sagt Alexander Bonde. Da kann man sich schon mal einsam fühlen. Bonde kennt das Programm gut. Als Jugendlicher nahm er selbst an dem Programm teil und war mit dem heutigen Sänger und Surfer Jack Johnson auf einer High School in Hawaii.
Fast alle wollen in den Süden und nach Kalifornien
 
„95 Prozent der Schüler wollen nach Kalifornien", sagt Nora. Nora und Sabrina erfahren aber erst zwei Wochen vor ihrer Abreise Anfang August, wohin sie kommen. „Man muss auf alles vorbereitet sein und sich darauf einlassen", sagt Bonde. Gerade in Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise, wird nicht alles nach Plan verlaufen. Viele der Berufstätigen, die in dem USA-Jahr neben dem College in einem Betrieb arbeiten, haben von Firmen bislang nur Absagen bekommen. Sabrina will sich aber davon nicht entmutigen lassen. Sie kann vielleicht über ihre Firma einen Job im Einzelhandel bekommen. Zur Not würde sie aber auch einen Job an der Kasse annehmen. „Es wird einem nichts in den Schoß gelegt", sagt die 23-Jährige, die später im Außenhandel ihrer Firma arbeiten möchte und das Jahr daher auch nutzen möchte, ihr Englisch zu verbessern.

Auch Nora möchte später vielleicht mal „international arbeiten". Zunächst freut sich die 16-Jährige aber auf die fast 100 Fächer, die sie an deramerikanischen High School zur Auswahl hat. „In einem Fach kann man schwimmen oder töpfern. Das gibt es in Deutschland gar nicht", sagt sie. Sorgen, dass sie sich einsam fühlen könnte, macht sie sich nicht. „Klar wird es am Anfang auch Momente geben, in denen man Bruder, Freunde und Familie vermisst, aber die Vorfreude überwiegt." Und Sabrina? „Ich muss dann ein Konto eröffnen, ein Auto kaufen, den Führerschein machen, einen Job suchen und mich bis spätestens zwei Wochen nach der Ankunft mit dem Collegekoordinator in Verbindung setzen." Da bleibt wohl wenig Zeit für Heimweh. Und selbst wenn doch solche Gefühle aufkommen, steht für sie fest: „Es ist für mich eine Herausforderung und Erfahrung, es allein zu schaffen."

(...) Die Bewerbungsphase für das Programmjahr 2010/2011 endet am 4. September 2009.

Bewerbungsunterlagen PPP

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