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Schwäbische Zeitung (05.09.2009): Milchbauern diskutieren über Milchpreise und Qualität


Im Rahmen einer Informationstour durch Baden-Württemberg besuchte Alexander Bonde am Dienstag den Milchhof Abt in Straßberg. Der 34-jährige grüne Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis Emmendingen/Lahr ist Berichterstatter im Haushaltsausschuss für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft.

Auszug:

Als solcher beschäftigt er sich intensiv mit der Situation der ländlichen Räume und fordert seit langem milchpreisstabilisierende Maßnahmen, eine intelligente Milchmengensteuerung und einen Nachteilsausgleich für Landwirte. Zudem setzt er sich dafür ein, dass bäuerliche Milchviehhalter bei der Entwicklung von Qualitätsmarken für Milchprodukte und deren Vermarktung unterstützt werden.

Mit diesen Forderungen stieß er bei den Betroffenen in Straßberg rasch auf Sympathie, aber auch auf fachlichen Respekt. Dass man sich in Deutschland von diesem Zustand zunehmend entferne, statt auf ihn hinzuarbeiten, wusste anschaulich Milchbauer Manfred Abt zu schildern. Familienbetriebe wie sein Hof mit 75 Stück Milchvieh leben derzeit von der Substanz. Überlebensnotwendige Erträge sind nicht mehr zu erzielen.

Harsche Kritik äußerte auch sein Winterlinger Kollege Karl Gräßle gegen den Bauernverband, der längst nicht mehr seine Basis vertrete. Der Trend gehe zu betriebswirtschaftlich durchrationalisierten Großbetrieben mit dem Ziel der kurzfristigen Gewinnmaximierung in der Hand von Handelskonzernen als Aktionären. "Wenn der Markt dann komplett in deren Hand ist, werden die Milchpreise wieder astronomisch steigen. Dann haben wir Kapitalismus pur", so Manfred Abt in seiner Analyse.

Die Entwicklung dorthin müsse nicht nur im Interesse der Verbraucher gestoppt werden, entwickelte Alexander Bonde Gegenentwürfe. Landwirtschaft dürfe nicht zum Lieferant von Billigst-Produkten aus dem Discounter-Regal verkommen. Sie sei primär fachkundiger und sensibler Erzeuger von Lebensmitteln, also den zum Leben benötigten Erzeugnissen. Sie wirke wertschöpfend, auch indem sie die Kulturlandschaft erhält und pflegt. Und sie diene letztlich der sozialen Identität der im ländlichen Raum lebenden Menschen.

Eine Agrarförderung, die diesen Gesichtspunkten gerecht wird, müsse weg von der rein quantitativen Mengenregelung und Saldierung, die mitunter Fördermillionen auch für sehr bizarre Zwecke bereitstellt. Ziel müsse eine an der realen und ganzheitlichen Wertschöpfung orientierte, gesellschaftliche Honorierung der Leistung der Landwirte sein. Die Kernfrage sei letztlich eine ethische, war sich der Gesprächskreis einig.

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