Harsche Kritik äußerte auch sein Winterlinger Kollege Karl Gräßle gegen den Bauernverband, der längst nicht mehr seine Basis vertrete. Der Trend gehe zu betriebswirtschaftlich durchrationalisierten Großbetrieben mit dem Ziel der kurzfristigen Gewinnmaximierung in der Hand von Handelskonzernen als Aktionären. "Wenn der Markt dann komplett in deren Hand ist, werden die Milchpreise wieder astronomisch steigen. Dann haben wir Kapitalismus pur", so Manfred Abt in seiner Analyse.
Die Entwicklung dorthin müsse nicht nur im Interesse der Verbraucher gestoppt werden, entwickelte Alexander Bonde Gegenentwürfe. Landwirtschaft dürfe nicht zum Lieferant von Billigst-Produkten aus dem Discounter-Regal verkommen. Sie sei primär fachkundiger und sensibler Erzeuger von Lebensmitteln, also den zum Leben benötigten Erzeugnissen. Sie wirke wertschöpfend, auch indem sie die Kulturlandschaft erhält und pflegt. Und sie diene letztlich der sozialen Identität der im ländlichen Raum lebenden Menschen.
Eine Agrarförderung, die diesen Gesichtspunkten gerecht wird, müsse weg von der rein quantitativen Mengenregelung und Saldierung, die mitunter Fördermillionen auch für sehr bizarre Zwecke bereitstellt. Ziel müsse eine an der realen und ganzheitlichen Wertschöpfung orientierte, gesellschaftliche Honorierung der Leistung der Landwirte sein. Die Kernfrage sei letztlich eine ethische, war sich der Gesprächskreis einig.