26.07.2010
Auszug:
Sitzungsfreie Woche - das klingt nach Ferien, nach Ausruhen. Dabei ist die Arbeit im Wahlkreis für die Abgeordneten nicht weniger intensiv als in Berlin. Nur anders. Hier zählt, was den Menschen vor Ort konkret auf den Nägeln brennt. Sich an der Basis wieder zu erden, sich dem pulsierenden Alltag stellen - das ist Sinn und Aufgabe jener Wochen, in denen die Abgeordneten im wahrsten Sinne zu Vertretern des Volkes werden.
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Aus der Ruhe zu bringen ist Alexander Bonde nicht so leicht. Der bodenständige Schwarzwälder mit der Leidenschaft zum Schachspiel ruht in sich selbst. Aber als haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen setzt auch ihn die Euro-Krise unter Druck. Immer wieder muss er in der letzten Zeit die sitzungsfreien Wochen unterbrechen, um in Berlin an Deck zu sein. Bonde nimmt es gelassen: „Ich fühle mich in Berlin ohnehin wie auf Montage auf einer Bohrinsel: Alles ist auf Arbeit konzentriert.”
Wahlkreis als politische Kür
Immerhin, ein paar Tage bleiben über Pfingsten zum „Ausschnaufen”. Daheim in der Schwarzwaldgemeinde Baiersbronn mit Ehefrau Conny und den Kindern Karl Abraham (3) und Karla Elise (1). Danach geht es wieder los. Wir erleben ihn am Freitag erst bei einem Besuch der Bundesagentur für Arbeit in Offenburg, anschließend bei der Arbeiterwohlfahrt, wo er sich über die Auswirkungen der neuen Zivildienstregelung informiert. Danach ist Bonde bei einem Maschinenbau-Unternehmen in Kehl zu Besuch, am Abend diskutiert er mit dem grünen Ortsverband über „Wege aus der Rekordverschuldung”.
Wahlkreisarbeit gehört für den 35-Jährigen zur politischen Kür. Wobei es ihn weniger leutselig zu Wein- oder Feuerwehrfesten zieht. „Für mich steht die thematische Arbeit im Vordergrund.” Zurzeit liegen die Themen auf der Hand: Was ist mit dem Euro? Kommt eine Inflation? Wo geht es mit den Schulden hin? Als Haushälter in Berlin ist Bonde da ein fachkundiger Ansprechpartner. Probleme, sich mit der eher ländlichen Bevölkerung in seinem südbadischen Schwarzwaldkreis verständig zu machen, hat er nicht. „Ich habe eine Nähe zu den Menschen hier.”
Alexander Bonde tritt nicht mit großer Beflaggung als Berliner Zampano im Wahlkreis auf. Er liebt die leiseren, aber eindringlichen Töne. Zu seinen Terminen fährt er unauffällig mit einem Mittelklassewagen mit Hybridantrieb vor. Aber ob beim Chef eines mittelständischen Betriebs, beim wortkargen Bauern im Kuhstall oder auf einer Parteiveranstaltung: Bonde kommt an mit seiner nüchternen Art. Und auch ihm gefällt die „Erdung vor Ort”: „Die Vielfalt der Themen und die Verankerung bei den Menschen sind meine Basis für die Arbeit im Bundestag.”
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